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In aller Herrgottsfrühe (1)

Frühstart in der Morgenröte

Von Beatrix Lampe, 03.07.09, 17:42h, aktualisiert 17.07.09, 14:26h

Am ersten Ferien-Freitag hat der Flughafen Köln/Bonn bereits Hochbetrieb: 40.000 Fluggäste, 188 Starts. Schon um 3.45 Uhr ist hier jede Menge los. Die ersten Passagiere heben sogar schon um halb vier in die Ferien ab.

Flughafen Köln/Bonn
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Der Flughafen Köln/Bonn zwischen vier und sechs Uhr. (Bild: Worring)
Flughafen Köln/Bonn
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Der Flughafen Köln/Bonn zwischen vier und sechs Uhr. (Bild: Worring)
Köln - Die 20 Bildschirme über den Lufthansa-Abfertigungsschaltern sind noch dunkel. Im Abflugbereich von Terminal 1, zurückgezogen in ruhigen Ecken, gönnen sich Alleinreisende noch eine Mütze Schlaf. Bequem kann das nicht sein, sich quer über die Sitze auszustrecken. Aber wer weiß, wann sie zuhause losgefahren sind, um früh am Freitagmorgen in den Ferienflieger zu steigen?

Familie Baensch aus Frechen schläft jedenfalls nicht. Vergnügt sitzen Mutter Judith, Vater Stephan und die Töchter Julia (acht) und Sarah (neun) vor einem Café und frühstücken fast wie zuhause. Nur, dass sie da nicht um 3.45 Uhr essen und nicht von Rucksäcken umgeben sind, aus denen die Lieblingsstofftiere der Kinder lugen.

Um kurz vor sechs soll's Richtung Hurghada gehen. Die Mädchen freuen sich aufs Schwimmen - möglichst mit Delphinen, während ihr Vater eine handyfreie Zeit genießen will. Aufgestanden ist die Familie um halb zwei Uhr, Stephan Baensch hat gar nicht erst geschlafen. Die Familienkatze, die den Aufbruch gespürt hat, ließ sich erst spätabends blicken und musste dann noch zum Katzensitter gefahren werden.

Jetzt genießt die Familie den Logenplatz in der Abflughalle: Paare verabschieden sich mit viel Gefühl. Große Transportbehälter für Hunde werden vorbeigefahren. Eine rot beschürzte Verkäuferin rollt einen Brötchenwagen, der eine Duftfahne hinter sich her zieht. Ein rundlicher Mann in Hawaiihemd und Camouflagehosen durchsucht mit Sorgfalt die Abfallbehälter in der Halle und steckt Pfandflaschen in eine schwarze Reisetasche. „Das erlauben wir, solange sich die Sammler gut benehmen“, sagt Werkschutz-Mitarbeiter Guiseppe Santangelo, der von zehn Uhr abends bis sechs Uhr früh für Ordnung sorgt. Er mag diese frühe Stunde, in der - meist - noch Ruhe herrscht, obwohl vom Terminal 2 schon so viele Fliege abheben. „In der Ferienzeit haben wir friedliche Gäste“, sagt er. „Wir müssen höchstens mal einschreiten, wenn einer zu laut Musik laufen lässt oder Fußball spielt.“ Im Herbst, zur Kegelclubtour-Zeit, sehe das anders aus: Da müssen auch so früh am Morgen schon Betrunkene zur Raison gerufen werden.

Santangelo und seine Kollegen haben an den Hauptreisetagen in den Schulferien Urlaubssperre - zu viel zu tun. Der Sicherheitsdienst muss ran, wenn Fluggäste beispielsweise Verbote beim Reisegepäck missachten. Werden beim Durchleuchten der Koffer Feuerzeuge sichtbar oder geheimnisvoller Kabelsalat, müssen die Gepäckstücke geöffnet und die Besitzer herbeizitiert werden. Schön, wenn der Kabelsalat sich als Discman-Zubehör entpuppt - und blöd, wenn so etwas an einem Tag mehr als ein Dutzend Mal passiert. Heute Nacht, sagt Santangelo, war's aber ruhig. Er habe auch keine Passagiere beruhigen müssen, die ihren Flug verpasst hätten. Das geschehe ziemlich oft bei mitternächtlichen Flügen - unerfahrene Fluggäste glaubten dann, bei dem Datum handele es sich erst um die folgende Nacht und kämen 24 Stunden zu spät.

Personalausweis abgelaufen - nichts zu machen

Einer, der an diesem Morgen trotz korrekten Flugdatums nicht abheben kann, ist Gernot Wissmann (Name geändert) aus dem Westerwald. Auf dem Weg zum Flughafen hat er gegen drei Uhr früh bemerkt, dass sein Personalausweis abgelaufen ist - da war nichts zu machen. Jetzt sitzt Wissmann, wütend auf sich selbst, in der Kabine des Foto-Automaten. Er will mit den Passfotos zeitig um halb acht beim Porzer Bezirksamt sein. Mit einem Ersatz-Dokument ausgestattet hofft der 31-Jährige dann auf einen anderen Flug nach Hurghada, damit für ihn und seine Freundin zumindest Hotelgutschein und Rückflug nicht verfallen.

Von derlei Sorgen unbelastet hält Jens Mortsiefer seine sechsjährige Tochter Vicky (sechs) vor einem Aussichtsfenster in die Höhe, damit sie vor dem Start der Familie nach Palma den Betrieb auf dem Rollfeld bestaunen kann. Die Aussichtsplattform ist erst ab sechs Uhr geöffnet. Schade, öffnet sich von dort aus der Blick auf die Morgenröte über dem Fliegenberg, die Lichter der Industrie bis zum Vorgebirge, die Markierung der Startbahn, wo gegen sechs Uhr fast im Minutentakt Flugzeuge abheben.

Fünf Uhr. Familie Baensch sitzt jetzt im Wartebereich am Gate; Gernot Wissmann will sich den verpassten Start „auf keinen Fall“ angucken. Der Lufthansa-Schalter wird mit einer zerrupft wirkenden Orchidee geschmückt, die Kasse eingeräumt. Im Terminal 2 brummt es.

Eine junge Frau im pinkfarbenen T-Shirt stürmt zum Info-Schalter. In der Hand einen Piccolo-Flasche Sekt, die leider nicht mitfliegen darf. „Schenk ich Ihnen“, sagt die Reisende, stellt die Flasche vor Info-Mitarbeiterin Petra Berndt auf den Tresen und ist wieder weg. „Das kommt vor, wenn Passagiere bei der Handgepäckkontrolle die guten Sachen nicht wegwerfen wollen,“ sagt die Flughafenmitarbeiterin. Wenn sie in gut einer Stunde Feierabend hat, wird Petra Berndt mit Sicherheit schlafen gehen und nicht Sekt trinken. Ein wenig Urlaubsfreude hat ihr der Piccolo in aller Herrgottsfrühe aber schon vermittelt.



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