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Nach dem Putsch

„Revolutionäre Lage in Honduras“

Von Klaus Ehringfeld, 03.07.09, 19:34h

Honduras` Putschisten-Präsident Roberto Micheletti demonstriert Härte: Seine Regierung werde sich dem Druck zur Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten nicht Zelaya beugen. Dieser will schon am Wochenende zurückkehren.

Putsch in Honduras
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Proteste gegen den Sturz des honduranischen Präsidenten. (Bild: dpa)
Putsch in Honduras
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Proteste gegen den Sturz des honduranischen Präsidenten. (Bild: dpa)
TEGUCIGALPA - Es ist kurz nach 14 Uhr am Donnerstag, als sieben Männer und zwei Frauen im holzgetäfelten Oval Office des honduranischen Präsidentenpalastes in Reih und Glied Aufstellung nehmen. Roberto Micheletti tritt vors Mikrofon und ruft in zackigem Ton den ersten Namen: Maria Edilme Quesada tritt aus der Reihe, hebt die Hand und schwört auf die Verfassung des zentralamerikanischen Landes. Nach wenigen Sekunden tritt Quesada als neue Privatsekretärin Michelettis ins Glied zurück. In weniger als fünf Minuten ist das Kabinett des neuen Machthabers in Tegucigalpa um neun Mitglieder erweitert. Micheletti, ein kleiner Mann mit weißen Haaren, hat keine Zeit zu verlieren. Schließlich soll die Welt wissen, dass sich Honduras nicht vom internationalen Druck einschüchtern lässt - Tag fünf nach einem Putsch, der das zentralamerikanische Land über Nacht ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat.

Doch schon am Wochenende will der gestürzte Zelaya in seine Heimat zurückkehren. Micheletti droht dem Präsidenten mit Gefängnis bei Rückkehr. Und während er im klimatisierten Oval Office seinen Staatsstreich vollendet, wischt sich Zeneida Álvarez den Schweiß von der Stirn. Die 70 Jahre alte Rentnerin hat im Schatten eines Hauses an der Calle Obispo im Zentrum von Tegucigalpa Zuflucht gesucht. Seit dem Morgen ist sie mit ihrem Sohn unterwegs, um gemeinsam mit tausenden anderen Menschen gegen den Staatsstreich zu protestieren. „Mel Zelaya hat sich an die Armen erinnert“, sagt Álvarez. „Deswegen haben sie ihn gestürzt. Weil er für uns etwas getan hat.“ Zelaya wurde Ende 2005 ins Amt gewählt. Damals galt er als Rechtsliberaler. Doch der nun gestürzte Staatschef näherte sich sich der Linksachse um Venezuelas Staatschef Hugo Chávez an und sprach offen von Wiederwahl, Verfassungsreferendum und Sozialismus. Als Zelaya Anfang des Jahres den monatlichen Mindestlohn von 3500 auf 5500 Lempiras erhöhte und diesen damit auf umgerechnet 206 Euro anhob, feierten ihn zwar die Armen, aber die Oligarchie senkte endgültig den Daumen über den Abtrünnigen.

„Unser Land war immer schon geteilt, aber der Putsch hat den tiefen Graben erst richtig offen gelegt“, sagt Walter Hernández. „Hier kontrollieren ein bis zwei Prozent der Elite 90 Prozent der Wirtschaft, und die große Masse der Menschen hat nicht genug zu essen“, sagt der Filmemacher. Nach Zahlen der Vereinten Nationen lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag. Die Abgeordneten, die am Sonntag beim Putsch gegen Zelaya mit dem Militär konspirierten, streichen monatlich 60 000 Lempiras (rund 2200 Euro) ein. „In Honduras sind alle Voraussetzungen für eine Revolution gegeben“, sagt der Filmemacher.

Micheletti empört sich

Im Präsidentenpalast steht Micheletti mittlerweile vor der Presse und empört sich: „Zelaya wollte Hand an die Verfassung legen.“ Darüber kann Walter Hernández fast schon lachen. „Wie oft haben sie in all den Jahren nachts um elf die Verfassung geändert, wenn es etwa um Steuerbefreiung für Unternehmer ging. Und jetzt soll das Grundgesetz plötzlich unantastbar sein?“

So genau nehmen es die neuen Machthaber nicht mit der Verfassung, wenn es um Bürgerrechte geht. Oppositionelle Radio- und Fernsehsender sind geschlossen, Demonstranten wurden mit Tränengas und scharfer Munition bekämpft und Oppositionelle außer Landes geschafft. Am Samstag entscheide sich das Schicksal von Honduras, sagt der Filmemacher Hernández: „Wenn Zelaya nicht zurückkommt, ist zwischen Bürgerkrieg und völliger Apathie alles möglich.“



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