Von Klaus Ehringfeld, 03.07.09, 19:34h
Doch schon am Wochenende will der gestürzte Zelaya in seine Heimat zurückkehren. Micheletti droht dem Präsidenten mit Gefängnis bei Rückkehr. Und während er im klimatisierten Oval Office seinen Staatsstreich vollendet, wischt sich Zeneida Álvarez den Schweiß von der Stirn. Die 70 Jahre alte Rentnerin hat im Schatten eines Hauses an der Calle Obispo im Zentrum von Tegucigalpa Zuflucht gesucht. Seit dem Morgen ist sie mit ihrem Sohn unterwegs, um gemeinsam mit tausenden anderen Menschen gegen den Staatsstreich zu protestieren. „Mel Zelaya hat sich an die Armen erinnert“, sagt Álvarez. „Deswegen haben sie ihn gestürzt. Weil er für uns etwas getan hat.“ Zelaya wurde Ende 2005 ins Amt gewählt. Damals galt er als Rechtsliberaler. Doch der nun gestürzte Staatschef näherte sich sich der Linksachse um Venezuelas Staatschef Hugo Chávez an und sprach offen von Wiederwahl, Verfassungsreferendum und Sozialismus. Als Zelaya Anfang des Jahres den monatlichen Mindestlohn von 3500 auf 5500 Lempiras erhöhte und diesen damit auf umgerechnet 206 Euro anhob, feierten ihn zwar die Armen, aber die Oligarchie senkte endgültig den Daumen über den Abtrünnigen.
„Unser Land war immer schon geteilt, aber der Putsch hat den tiefen Graben erst richtig offen gelegt“, sagt Walter Hernández. „Hier kontrollieren ein bis zwei Prozent der Elite 90 Prozent der Wirtschaft, und die große Masse der Menschen hat nicht genug zu essen“, sagt der Filmemacher. Nach Zahlen der Vereinten Nationen lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag. Die Abgeordneten, die am Sonntag beim Putsch gegen Zelaya mit dem Militär konspirierten, streichen monatlich 60 000 Lempiras (rund 2200 Euro) ein. „In Honduras sind alle Voraussetzungen für eine Revolution gegeben“, sagt der Filmemacher.
Micheletti empört sichIm Präsidentenpalast steht Micheletti mittlerweile vor der Presse und empört sich: „Zelaya wollte Hand an die Verfassung legen.“ Darüber kann Walter Hernández fast schon lachen. „Wie oft haben sie in all den Jahren nachts um elf die Verfassung geändert, wenn es etwa um Steuerbefreiung für Unternehmer ging. Und jetzt soll das Grundgesetz plötzlich unantastbar sein?“
So genau nehmen es die neuen Machthaber nicht mit der Verfassung, wenn es um Bürgerrechte geht. Oppositionelle Radio- und Fernsehsender sind geschlossen, Demonstranten wurden mit Tränengas und scharfer Munition bekämpft und Oppositionelle außer Landes geschafft. Am Samstag entscheide sich das Schicksal von Honduras, sagt der Filmemacher Hernández: „Wenn Zelaya nicht zurückkommt, ist zwischen Bürgerkrieg und völliger Apathie alles möglich.“
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