Von unserer Redaktion, 03.07.09, 18:56h, aktualisiert 03.07.09, 19:03h
Die Folge war ein mit heftigen Niederschlägen verbundenes Gewitter, das sich - teils mit rekordverdächtigen Regenmengen - besonders von der Broicher Höhe bis Mechernich und weiter bis zum Euskirchener Stadtgebiet austobte. Fast zeitgleich trafen ab etwa 12.30 Uhr die Hilferufe bei der Rettungsleitstelle ein. Zwar hatte die Kreisverwaltung gestern Nachmittags noch keinen genauen Überblick über die Einsatzzahlen, aber ein Sprecher schätzte, dass insgesamt „weit über hundert“ Hilferufe bei der Leitstelle eingegangen seien. Besonders betroffen war der Ort Kall, wo speziell im Bereich des Industriegebietes einmal mehr „Land unter“ war.
Dort ließ Gemeinde-Wehrleiter Harald Heinen nicht nur die komplette Gemeindewehr alarmieren, sondern er forderte auch Unterstützung aus Nettersheim und Schleiden an. Kreisweit dürften insgesamt einige Hundert Wehrmänner im Einsatz gewesen sein. Das Möbelhaus Brucker, wo ein Parkplatz fast einen halben Meter unter Wasser stand, war ebenso von den Fluten überspült worden wie einige andere Gewerbebetriebe. Die Unterführung unter der Bahnlinie war wieder einmal voll Wasser gelaufen und musste komplett gesperrt werden.
Auch Bahn betroffen
Selbst die Bahn, die sich von Wetter-Widrigkeiten normalerweise nicht stören lässt, wurde in Mitleidenschaft gezogen. Ein Teil der Strecke vor dem Bahnhof Kall stand unter Wasser. Die Züge konnten die Schadensstelle nur im Schritttempo passieren.
Auf dem weiteren Zugweg des Unwetters lag die Stadt Mechernich, wo neben zahllosen Wohnhäusern auch zwei große Einrichtungen erheblich betroffen waren. Wasser lief ins Untergeschoss des großen Pflegeheims der Communio in Christo an der Straße nach Breitenbenden, unter anderem in die Küche.
Die ebenfalls komplett alarmierte Stadt-Feuerwehr musste dort mit Pumpen und anderen Gerätschaften eingesetzt werden, um die zur Versorgung der Bewohner wichtige Abteilung wieder betriebsbereit zu machen. Im Kreiskrankenhaus war der Altbautrakt betroffen. Dort liefen große Wassermengen in die unterirdisch gelegenen Gebäudeteile, vor allem in das Materiallager der Krankenhaus-Schreinerei. Dort schwammen Bretter und anderes Holzmaterial umher, während sich Feuerwehr und Personal intensiv darum bemühten, die wichtigeren Büro- und Lagerräume vom einströmenden Wasser zu befreien.
Auch im nördlichen Kreisgebiet kam es zu Feuerwehreinsätzen. Während in Wißkirchen der Veybach über die Ufer trat, lief im Waldgasthaus an der Steinbachtalsperre erneut der Heizungskeller voll Wasser. Um die Brühe nach draußen zu pumpen, verlegten die Löschgruppen aus Kirchheim und Flamersheim eine Schlauchleitung durch die Küche und den Gastraum des Restaurants. Geschäftsführer Karl Mohr und seine Mitarbeiter hatten dieses Szenario im August 2008 schon einmal erlebt. „Damals war anschließend die Heizungsanlage kaputt, so dass wir sie austauschen mussten“, sagte Mohr.
Wenige Kilometer weiter, in Kreuzweingarten, war die örtliche Feuerwehr ebenfalls zu einem Restaurant gerufen worden: Es galt, den Keller des Alten Brauhauses leer zu pumpen. Zuvor war die Löschgruppe schon in der überschwemmten Hubertusstraße im Einsatz gewesen. Im Nachbarort Billig entwurzelte eine Sturmbö zwei Birken. Die Bäume krachten auf das Dach des leer stehenden Schulgebäudes an der Traubenstraße.
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