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FC-Trainer

Der strenge Herr Soldo

Von Christian Löer, 02.07.09, 20:58h, aktualisiert 03.07.09, 21:22h

Der neue Trainer des 1. FC Köln setzt andere Akzente als sein Vorgänger Christoph Daum. Der Kroate ist glühender Anhänger von Arbeit, Ordnung, Pünktlichkeit und Teamsinn. Außerdem scheint die Zeit der großen Gesten und Inszenierungen vorüber zu sein.

Zvonimir Soldo
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Keine großen Gesten, sparsame Mimik: Zvonimir Soldo bei der Arbeit. (Bild: Dahmen)
Zvonimir Soldo
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Keine großen Gesten, sparsame Mimik: Zvonimir Soldo bei der Arbeit. (Bild: Dahmen)
BITBURG - Neulich beim Mittagessen hat Zvonimir Soldo wieder eine seiner klaren Ansagen machen müssen. Ein FC-Profi war in Badelatschen erschienen, was praktisch sein mag für einen Berufssportler, der ständig duschen und die Kleidung wechseln muss. Doch für Zvonimir Soldo (41) sind Badelatschen im Speisesaal indiskutabel. Das weiß nun jeder Profi des Kaders - und sieht zu, dass er anlässlich der Mahlzeiten die richtigen Schuhe schnürt. Zvonimir Soldo, seit drei Wochen Trainer des 1. FC Köln, hat es gern, wenn jeder weiß, wie die Regeln lauten. In Bekleidungsfragen ist den Spielern ohnehin jede Gestaltungsfreiheit genommen. Niemand muss mehr morgens vor dem Kleiderschrank stehen und grübeln. Die Frage, was getragen werden soll, hat der Trainer schon am Vorabend beantwortet. Der FC kommt uniformiert daher, in Heimarbeit zurechtgeschnibbelte Dreiviertel-Trainingshosen mit ausgefransten Hosenbeinen sind nun ein Fall für die Mottenkiste.

Der so genannte „Dresscode“ ist Teil einer auffälligen Eigenschaft des neuen Trainers: Soldo liebt Ordnung. „Das sind Kleinigkeiten, die für mich einfach dazu gehören“, sagt er, „wir sind schließlich keine Einzelsportler.“ Dazu gehört auch eine der wichtigsten Tugenden überhaupt: Pünktlichkeit. In Bitburg erschien die komplette Mannschaft samt Stab zum Zehn-Uhr-Training um fünf vor zehn. Jeden Tag, ausnahmslos. Zuverlässigkeit und feste Regeln machen das Zusammenarbeiten leichter, das findet sogar Kapitän Milivoje Novakovic, der eigentlich eher als Lebemann bekannt ist. „Wir haben jetzt wieder Disziplin in der Mannschaft“, hat der Slowene gesagt, als er nach dem Unterschied zwischen den Trainern Daum und Soldo gefragt wurde.

Ausschweifende Erklärungen zu seinem Führungsstil sind von Soldo („Ich bin kein Star, wichtig sind nur die Spieler“) nicht zu bekommen; der 41-Jährige neigt nicht dazu, über seine Philosophie zu dozieren. Auch sein Co-Trainer gibt sich eher wortkarg. „Ich weiß nicht, was vorher war. Aber Tatsache ist, dass Zvonimir Soldo und ich großen Wert auf Disziplin legen. Denn diese Disziplin spiegelt sich auch später auf dem Platz wider“, sagt Michael Henke. Die Zeit der großen Inszenierungen ist offenbar vorüber, Soldo liefert kalte Nüchternheit. Das mag jene betrüben, denen es beim 1. FC Köln nicht krawallig genug zugehen kann. In der Betrachtung der täglichen Arbeit ist die neue Sachlichkeit dagegen eine Wonne. Michael Meier beobachtet den Wandel im Profiteam still. Die Saison-Vorbereitung hat gerade erst begonnen, und noch weiß niemand, wohin die Reise geht. „Ich werde mich hüten, jetzt einen Vergleich anzustellen zwischen Daum und Soldo. Aber man kann natürlich sagen, dass wir einen Paradigmenwechsel vollzogen haben.“

An allen Ecken und Enden des 1. FC Köln ist zu vernehmen, dass man glücklich ist über diesen Wechsel. Soldo macht vielleicht wenig Worte, dennoch sagt er oft mehr als sein Vorgänger. „Er redet viel mit den Spielern, mit den jungen wie mit den alten. Das hat uns zuletzt gefehlt“, beschreibt Novakovic (30). Eigentlich war es ja Daum, der stets als der große Psychologe galt. Fragt man jedoch seine Spieler, kommt man ins Grübeln. Viele haben sich allein gelassen gefühlt, ignoriert, manchmal ungerecht behandelt. Soldo ist anders. Er wirkt hart, aber zugänglich. „Er hat eine gesunde, eine natürlich Autorität. Und er weiß, wie die Spieler ticken“, sagt Meier.

Das Programm im nun zu Ende gegangenen Trainingslager war hart, doch Michael Henke sind nur wenige Klagen zu Ohren gekommen. „Man merkt, dass die Spieler gegenüber dem neuen Trainer keine Schwächen zeigen wollen.“ Soldo selbst lächelt milde, als er nach der Härte seines Trainings gefragt wird. Er habe durchaus bemerkt, dass seine Spieler „schwere Beine“ haben. Aber es ginge nicht anders, das sei das Wesen der Vorbereitung. Wenn seine Leute nun jammerten, sei das nicht weiter schlimm. Denn eines weiß er selbst noch zu gut: „Fußballspieler beklagen sich immer.“



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